15 Jahre nach der Wende –  
Was würden wir heute anders machen? 
Vortrag des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion 
in den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg 
am 2. Juni 2004 

Anrede, 
Transformationsprozess von der sozialistischen 
Kommandowirtschaft hin zur sozialen Marktwirtschaft ist in 
Deutschland und den anderen Staaten ein bisher einmaliges 
wirtschafts- und sozialpolitisches Experiment. - - - - - - 
kein Drehbuch, keine Vorbilder, keine Szenarien 
unter dem Strich sind wir sehr gut gefahren 
schaut man sich die anderen osteuropäischen Länder an, ist 
der Transformationsprozess mit wesentlich mehr Geldtransfers 
und wesentlich stärkerer sozialer Abfederung erfolgt als in 
anderen Ländern 
Schwierigkeiten des Übergangs waren auch eigene 
Schwierigkeiten, mit der neuen Situation recht zu kommen 
einige Auszüge aus meiner eigenen Meinungsbildung 1989/90 
einige Irrtümer: Der Westen ging davon aus, dass die 
notwendigen Transferleistungen für den Osten aus den 

Zuwächsen des gewohnten Wirtschaftswachstums West 
finanziert werden könnten - - - - - - - - 
aber Wirtschaft in Westdeutschland schwächelte schon seit 
Ende der achtziger Jahre 
Wiedervereinigung Deutschlands brachte eine 
vereinigungsbedingte Sonderkonjunktur West 
insgesamt erleben wir aber in Deutschland eine seit vielen 
Jahren nicht da gewesene Stagnation im Wirtschaftswachstum, 
ja im letzten Jahr sank das Bruttosozialprodukt sogar um 0,3 % 
Wirkungen des Transfers werden bei zunehmenden 
Finanzierungsschwierigkeiten West zunehmend in Frage gestellt 
Zum Teil ungerechtfertigte Vorwürfe an die neuen Bundesländer 
Neue Bundesländer wehren sich durch Aufklärungsarbeit 
mit Solidarpakt II sicheres finanzielles Fundament bis 2019 gelegt 
neue Bundesländer legen im Rahmen so genannter 
Fortschrittsberichte Rechenschaft ab 
Anrede, 
einige Auszüge aus dem letzten Fortschrittsbericht - - 
was hätte ich mir anders gewünscht? 
letztes Gesetz der Volkskammer, alle Betriebsleiter per Gesetz zu 
entlassen und sie zur Wiederbewerbung zu verpflichten, wurde 
nicht mehr in die Praxis umgesetzt 

damit wurde eine Möglichkeit verspielt, unbelasteten Personen 
aus der dritten Reihe ihre gerechte Chance zu geben 
bewährte Betriebsleiter, auch SED-angehörig, die sich moralisch 
einwandfrei verhalten haben, hätten mit dieser Regelung nicht 
zu befürchten gehabt, alte Seilschaften wären aber 
wirkungsvoll zerschlagen worden 
dieses ist nicht passiert, sondern es hat sich sehr schnell das alte 
Ostestablishment mit dem politisch uninteressierten Kapital des 
Westens verbündet. 
diese unheilige Allianz macht uns bis heute zu schaffen und sie 
findet sich zum Teil in berufsständischen Organisationen, 
Vereinen und Verbänden recht wirkungsvoll wieder 
um nicht missverstanden werden zu wollen: Die alte DDR will 
heute keiner wieder zurück, aber der moralische Anspruch der 
friedlichen Revolution von 1989 hat sich zumindest bei den 
Wirtschaftseliten wieder niedergeschlagen 
Anrede, 
mit der Wirtschafts-, Währungs-, Rechts- und Sozialunion in fast 
allen Lebensbereichen wurde der Osten Deutschlands sofort in 
eine komfortable Situation versetzt, die aber in den letzten 15 
Jahren mit einem hohen Preis bezahlt werden musste 
auch hier möchte ich nicht missverstanden werden: Hätte die 
Bundesregierung so nicht gehandelt, wären unkontrollierbare 
Wanderungsbewegungen von Ost in Richtung Westen erfolgt -- („Wenn die D-Mark nicht zu uns kommt, kommen wir 
zur D-Mark“, war ein ernst gemeinter Spruch) 
haben hiermit aber einen hohen Preis bezahlt -- Übernahme einer zu hohen Regelungsdichte, die 
den Aufbau behindert hat 
-- Ausnahme: 

Bundesverkehrswegebeschleunigungsgesetz hat 
bewusst bundesdeutsches Planungsrecht für die 
neuen Bundesländer außer Kraft gesetzt. Dieses gute 
Beispiel muss verlängert und auf ganz Deutschland 
ausgedehnt werden -- Beispiel Umweltrecht: In 10 Jahren wurden in 
Sachsen-Anhalt fast alle Haushalte an die zentrale 
Abwasserentsorgung angeschlossen. Die alten 
Bundesländer benötigten hierzu 30 Jahre. Die 
finanziellen Lasten für die Bürger konzentrieren sich 
aber auch auf einen kurzen Zeitraum, und vielerorts 
sind die Gebühren und Abgaben für Wasser und 
Abwasser das kommunalpolitisch dominierende 
Thema. 
Mit der Sozialunion wurden alle Rentner und  
Renten nahen Jahrgänge zu absoluten Gewinner der Einheit. 
Wegen der ausgeprägt langen Berufsbiografien stieg das 
relative Rentenniveau sogar über das Niveau des Westens 
verschiedene Urteile zu Sonder- und 
Zusatzversorgungssystemen, ja sogar zu den so genannten Stasi
Renten zwangen die neuen Bundesländer, erhebliche 
Haushaltsbelastungen, die so nicht vorgesehen und geplant 
waren, zu tragen. Beispiel: In Sachsen-Anhalt stieg die 
Haushaltsbelastung für Zusatz- und Sonderversorgungssysteme 
von 1991 zu 2004 von ... auf ... Euro. 
diese für mich zum Teil unverständlichen Gerichtsurteile legen 
uns konsumtive Sonderlasten auf, die umgekehrt uns auch nicht 
vorgeworfen werden können, weil sie durch Richterrecht für uns 
unabwendbar sind. 
Anrede, - 
kommen wir zum Gesundheitswesen 

Erinnerung an Mangelwirtschaft, Erinnerung an Zuteilung von 
medizinischen Dienstleistungen und Medikamenten - - - - - - - - 
Angst vieler Patienten, dass das für sie notwendige Präparat in 
der Apotheke nicht pünktlich zu erhalten ist 
geringere Lebenserwartung in der DDR als in den alten 
Bundesländern 
diese wird Schritt für Schritt angeglichen 
der Preis ist natürlich eine deutliche, aber begründbare 
Mengenausweitung 
die entsprechende Lohnsumme als Haupteinnahmequelle der 
gesetzten Krankenversicherungen hat mit diesem 
Leistungsanstieg allerdings nicht Schritt gehalten, so dass hier 
deutliche Disproportionen entstanden sind, die uns u. a. in die 
bekannten Finanzierungsschwierigkeiten, besonders in den 
neuen Bundesländern geführt haben. 
einige in der DDR bewährte Strukturen der 
Gesundheitsversorgung wurden jedoch unnötigerweise zerstört. 
Beispiele: Die integrierte Versorgung in den Polikliniken hätte 
deutlicher in Praxisgemeinschaften und Kooperationen 
überführt werden können als dieses geschah. 
die zu DDR-Zeiten übliche ambulante Versorgung in 
Krankenhäusern wurde auf Druck der FDP und der 
niedergelassenen Ärzteschaft der alten Bundesländer 
abgeschafft. Mit dem GMG holen wir diese Entwicklung 
mühsam wieder zurück. 
die freie Arztwahl ist ein hohes Patientengut. Aber erst jetzt 
schaffen wir es, Schritt für Schritt mit der Präferierung des 
Hausarztsystems den Hausarzt als Gesundheitslotsen zu 
etablieren, was gesundheitsökonomisch auf alle Fälle für die 
meisten Gesundheitsbereiche vorteilhaft ist. 

Krankenhäuser und Heime erlebten durch ein Krankenhausbau- 
und Modernisierungsprogramm einen ungeahnten 
Modernisierungsschub - - - - 
die Warnungen der Kassen, unnötige Doppelstrukturen und zu 
viele Betten zu etablieren, wurden jedoch in den Wind 
geschrieben, so dass wir jetzt davon ausgehen müssen, 
Bettenzahlen zu reduzieren, ja Krankenhausstandorte zu 
schließen. Hier hätte besser geplant werden müssen. 
die universitären Gesundheitsstrukturen entzogen sich bisher 
einer Krankenhausplanung. Erst mit dem jetzt in den Landtag 
einzubringenden Krankenhausplanungsgesetz werden die 
Medizinischen Fakultäten gezwungen, sich in die 
Krankenhausplanung des Landes einzufügen. 
auch dieses Versäumnis hat uns viel Geld gekostet 
aus rein hochschul- und medizinfachlichen Gründen würde eine 
Medizinische Fakultät für Sachsen-Anhalt ausreichen. Wir haben 
nun aber zwei etablierte Standorte, die auch historisch ihre 
Berechtigung besitzen. Wir können diese Standorte nur halten, 
wenn wir konsequent Doppelstrukturen abbauen und 
einfordern, dass die medizinischen Fakultäten in Magdeburg 
und Halle ihre Angebote aufeinander abstimmen. 
Anrede, - - - - 
weitere Beispiele aus dem Sozialbereich: Das Jugendgesetz der 
DDR kannte genau, was Sinn und Ziel der Jugend ist, welch ein 
Hohn 
aber die Überführung der zentralistischen Strukturen in eine freie 
Trägerlandschaft erfolgte in so mancher Kommune zu zögerlich 
unverständlich, dass bis heute noch sehr viele Kindergärten 
kommunalgeführt werden und noch nicht in freie Trägerschaft 
übergeben wurden 
ähnliches gilt für Krankenhäuser 

wir haben einen immer noch zu großen Staatsapparat 
mit der Bildung des Landes Sachsen-Anhalt aus den etwa 
ehemaligen Bezirken Magdeburg und Halle haben wir ca. 120 
000 Beschäftigte in den öffentlichen Dienst übernommen 
gemessen am Maßstab finanzschwacher alter Bundesländer, z. 
B. Schleswig-Holstein, müssen wir, gemessen an unserer 
Bevölkerungsdichte, mit ca. 55 000 Landesbedienstete 
auskommen. Zur Zeit liegen wir bei 65 000. -- konsequente Personalbewirtschaftung wird auch die 
nächsten Jahre unumgänglich sein 
Anrede, 
zur Wirtschaftsförderung: Die Gemeinschaftsaufgabe zur 
Verbesserung der regionale Wirtschaftsstruktur (GA) sowie der 
Europäische Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) waren und 
sind die Hauptinstrumente 
bisher Investitionsvolumina in Sachsen-Anhalt von ... Euro 
realisiert und ... geplant 
gelungen, industrielle Kerne zu stabilisieren 
einige Industrien sind jedoch weggerutscht und nicht oder nur 
sehr schwer zu revitalisieren 
momentane Diskussion über die Frage: Wie verhalten sich 
Förderung von Wachstumskernen zur Entwicklung in der Fläche? 
in welchem Verhältnis steht die Förderung der Infrastruktur zur 
individuellen Bezuschussung von Industrieansiedlungen 
Anrede, - 
Diskussionsveranstaltung u. a. mit der australischen Botschafterin 

Verwunderung der australischen Botschafterin, warum bei 
Fragen der Förderung unterentwickelter Gebiete die Deutschen 
fast nur von notwendigen Subventionen sprechen 
in Australien gibt es kaum Subventionen. Australien arbeitet mit 
niedrigeren Steuersätzen und einem liberaleren Arbeitsrecht 
eine Studie der EU meint nachweisen zu können, dass die 
Regionen Europas, die keine bevorzugte Zielförderung erhalten 
haben, sich nur unwesentlich langsamer als gezielt geförderte 
Gebiete entwickelt haben 
Schlussfolgerung: Der volkswirtschaftlich richtige Weg, 
benachteiligte Gebiete zu fördern ist umstritten und wird wohl 
umstritten bleiben 
die Landesregierung von Sachsen-Anhalt geht weiter davon 
aus, dass alles getan werden muss, die so genannte Ziel-1
Förderung für Sachsen-Anhalt zu erhalten 
Anrede, 
einige Sätze zur Bildungspolitik 
in Ablösung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems 
durch ein klar gegliedertes ... Schulwesen 
Förderung von Schulen in freier Trägerschaft 
Förderung von universitären und außeruniversitären Forschungs- 
und Lehreinrichtungen 
aber Gefahr, den jungen Menschen nicht klar und deutlich zu 
sagen, welche Berufsfelder für sie tatsächlich eine Perspektive 
haben können 
Studium zu sehr als Selbstverwirklichung, zu wenig als gezielte 
Vorbereitung auf den Beruf 

Anrede, 
Schlussfolgerungen: Experimente des Aufbaus Ost im Großen 
und Ganzen gelungen 
Erfolg nicht zerreden lassen 
haben erst einen Teil der Wegstrecke erreicht 
die Menschen im Osten und der Osten als allgemein haben 
eine Reformfähigkeit bewiesen, von der manche Strukturen in 
den alten Bundesländern nur träumen können 
Diskussion über die Reformfähigkeit Deutschlands muss im 
Westen anfangen 
viele Erkenntnisse aus notwendigen und aus sozial zumutbaren 
Flexibilisierungen müssten jetzt auf den Westen übertragen 
werden 
grundgesetzliches Ziel des Anstrebens für gleiche 
Lebensbedingungen in ganz Deutschland muss aufrecht 
erhalten bleiben. Übliche Differenzierungen, wie es sie zwischen 
dem Emsland und der Region um München gab und gibt, sind 
hinzunehmen 
eine Behandlung des Ostens als Sonderwirtschaftszone wäre 
vielleicht 1990 bis 1995 angebracht. Wir sind Teil Deutschlands, 
wir sind Teil des zusammenwachsenden Europas – die Richtung 
stimmt
!Es gilt das gesprochene Wort!